„Doch wenn man sich genauer ansieht, dass der mutige und unerschrockene Recep Tayyip Erdoğan bereits wenige Stunden nach Ausbruch des Putsches am frühen Morgen des 16. Juli von seinem Urlaubsort aus nach Istanbul flog, um sich einer jubelnden Menschenmenge als strahlender Sieger zu präsentieren, so muss man sich schon fragen, warum er sich das traute, wenn selbst sein eigener Geheimdienst keine Kenntnisse über die Ereignisse hatte und die Nachrichtenlage völlig unklar war. Sicher, Erdoğan ist ein Held, werden seine zahlreichen Anhänger sagen, aber war das nicht ein wenig übermütig? Aber geschenkt.

Nächste Frage: Wie konnte er inmitten der völlig undurchsichtigen Lage an die Handynummern aller Türken und aller in der Türkei lebenden Ausländer kommen, und wie konnte er an rund 80 Millionen Menschen gleichzeitig eine persönliche SMS schicken, wenn das Ganze nicht gut vorbereitet war? Wie bringt man in einem solchen Tumult alle türkischen Provider mitten in der Nacht dazu, die Handynummern aller Kunden herauszurücken? Oder hatte er sie alle in seinem Handy gespeichert?

Wie konnte die Regierung nur wenige Stunden nach einem angeblich völlig unerwarteten Coup 2 745 Richter absetzen? Wie konnte sie weitere Richter des Hohen Rates und Staatsanwälte absetzen und rund 3000 Militärangehörige verhaften lassen? Im Vergleich zu den dilettantisch putschenden Offizieren und Generälen waren die Regierung und der Rest der Exekutive offenbar extrem gut vorbereitet gewesen. Da drängt sich schon ein wenig der Verdacht auf, dass alles von langer Hand eingefädelt war und es nur noch eines triftigen Grundes bedurfte, um jene Erdoğan-kritischen Teile der Militärs und des Justizapparats auszutauschen, ohne von der gesamten Welt dafür als Despot beschimpft zu werden. Was könnte dafür besser geeignet sein als ein großes schockierendes Ereignis, bei dem zahlreiche unschuldige Zivilisten den Tod finden? Das ist zynisch? Nun, Erdoğan bezeichnete den vermeintlichen Putsch als »Geschenk Gottes!« Wenn das nicht zynisch ist?

…“

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Quelle: http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/michael-morris/sms-von-praesident-erdogan-oder-wie-bloed-sind-wir-eigentlich-.html

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